Wir. Deine Heiden.

davHier sind wir.

Deine Heiden.

Wir.

Ohne eigene Wurzeln in deiner großen Geschichte.

Ohne Herkunft in deinen großen Taten.

Ohne Halt in der althergebrachten Gemeinschaft mit dir.

Verloren gegangen in den Zeiten nach Noah.

Vor langem schon weggebrochen vom Stamm des Heils.

Wir irren. Wir stolpern und fallen.

 

Hier sind wir.

Verwirrt und doch selbstsicher leben wir unser Leben.

Voller Fragen tun wir so, als lägen die Antworten auf der Hand.

Wir wissen viel.                                                                                     

Aber Begreifen, Verstehen, Durchschauen sind Mangelware.

Man hält sich über Wasser.

Gut organisierte Orientierungsnot.

In was für einer Zeit leben wir?

Und wie lebt man in so einer Zeit?

Wie meistert man das, was sie uns vor die Füße wirft.          

Und wohinein sie uns stößt?

 

Herr, hier sind wir.

Deine Heiden, bereit, dich zu empfangen.

Wenn Du nur mitbringst, was unseren Seelen fehlt.

Rat und Trost, und Heil und Leben mit zugleich.

Und wenn du nur zum Ende bringst, was uns bedrängt.

All unsere Not.

Die kleinen großen Nöte unseres eigenen Lebens.

Wo wir uns selber nicht verstehen und der Zweifel uns aushölt.

Wo wir Fehler machen, die auf uns zurückfallen.

Wo wir das Glück gar nicht fassen, nicht schmecken, nicht auskosten können und es uns wieder entgleitet.

Wo wir Schmerzen haben und uns tapfer aufzurichten versuchen.

Ach, würde sich das alles für uns nur zum Guten wenden!

Dazu wären wir bereit.

So wollten wir dich empfangen.

 

Herr, hier sind wir, deine Heiden.

Kenntnisreich und doch ohne Verständnis.

Mitten im Leben, aber ohne Meisterschaft.

 

Hier sind wir und rufen zu Dir herüber:

Komm!

Reiß den Himmel auf,  wenn es sein muss.

Reiß den Nebelschleier unserer Verwirrung auseinander.

Und komm!

Komm endlich.

In unsere Welt.

In unsere Stadt.

In unseren Nacht.

In unsere Herzen.

 

Komm.

Und lass dich nicht schrecken von unserer Unhöflichkeit,                            

der du doch ohnehin so gar nicht höfisch und herrisch daherkommst.

Lass dich nicht schrecken von unserem kleinen Glauben,

der mehr Suchen und Bitten und kaum Finden und Empfangen ist.

Lass dich nicht schrecken von der Unruhe, die unter uns herrscht.

Und in uns.

Lass dich nieder.

Leg dich in unsere ungemütlichen, rau gewordenen Seelen.

Leg dich in die Rumpelkammer unserer Sorgen.

Und wir machen dir auch den miefigen Abstellraum unserer Schuld auf.

Komm einfach.

Komm auch in die großen hell erleuchteten Räume unserer Sehnsucht,

und in die gepflegten Zimmerchen unseres Erfolges tritt ein.

Alles steht dir offen.

Denn dir ist nichts Menschliches fremd.

 

Hier sind wir.

Aufgeschlossen wie ein Haus, das mehr als nur einen GAST erwartet.

Sperrangelweit steht dir alles offen, auf dass du einziehst.

Auf dass du bewohnst.

Und wir Rat und Linderung empfangen.

Wirklich empfangen. Schmecken. Denken. Fühlen, wie freundlich du bist.

Und mit welcher Kraft du zu Werke gehst, wenn du rettest und heilst und aufrichtest.

Mach uns gesund. Und gib uns Rat.

Hier sind wir.

Deine Heiden.

Nun komm, du Heiden Heiland!

 

[Das Adventslied „Nun komm, der Heiden Heiland“ (EG 4) findet man hier.}