Projekt Exodus

Ein außergewöhnliches Konzerterlebnis findet am Sonntag, 1. November 2026, um 17 Uhr in der Braunschweiger Katharinenkirche am Hagenmarkt. Unter dem Titel „Projekt Exodus“ kommen zwei bedeutende Barockwerke zur Aufführung: Georg Friedrich Händels Händel (1685-1759) Oratorium „Israel in Egypt“ und die Kantate „Das befreite Israel“ von Georg Philipp Telemann. Unter der Leitung von Christine Strubel musizieren die Kantorei St. Katharinen, das renommierte Barockorchester Concerto Ispirato sowie die Solisten Veronika Schäfer (Sopran), Yuedong Guan (Tenor) und Leon-Maurice Teichert (Bass). Tickets sind im Vorverkauf unter www.ticketino.de und bei Musikalienbartels (Wilhelmstraße) und am Konzerttag ab 16 Uhr an der Abendkasse ab 16 Uhr erhältlich. Im Anschluss an das Konzert sind alle Besucher noch zu einem Umtrunk hinter die Orgel eingeladen.

Neues Sicht- und Hörerlebnis
Erstmals wird in der Kirche ein neues Raumkonzept erprobt. Durch eine veränderte Position des Chorpodestes und eine neue Anordnung der Kirchenbänke entsteht ein neues Klang- und Seherlebnis. Am Montag, 26. Oktober 2026, um 19:45 Uhr lädt die Kantorei zu einer öffentlichen Werkstattprobe mit anschließendem Umtrunk in die Kirche ein. Interessierte sind willkommen, der Eintritt ist frei.

Historischer Bezug zu Braunschweig
Der Text zu Telemanns Kantate stammt aus der Feder des Braunschweiger Poetik-Professors Justus Friedrich Wilhelm Zachariä (1726–1777). Der bekannte Dichter lehrte ab 1761 am nahegelegenen Collegium Carolinum und wohnte unweit zur Katharinenkirche.

Kupferstich von Friedrich Kauke aus dem Jahre 1759; Bild: public domain „Rettinghaus“ bei Wikipedia

Ausblick
Neben diesem Konzertprogramm wird das vielfach (s.u.) geförderte „Projekt Exodus“ an St. Katharinen mit folgenden Veranstaltungen thematisch ergänzt und fortgesetzt:

Foto: Kantorei St. Katharinen, Johanna Mühe

  • Mittwoch, 28. Oktober 2026, 15:00 Uhr (Gemeindesaal): Vortrag von Pfarrer Werner Busch: „Monotheismus – Gefahr oder Glück für die Menschheit?“ (Theologische Antworten auf Kritiker wie Sigmund Freud). Reihe: „Mittwochnachmittag an St. Katharinen“.
  • 3. / 10. / 24. November 2026, jeweils 18:30 Uhr (Gemeindesaal): Dreiteilige Lehr-Abende mit der jüdischen Theologin Karen Engel (Berlin) in Kooperation mit der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit über die biblische Exodusgeschichte mit Bezug zu Händels Oratorium „Israel in Egypt“.

Das Projekt Exodus an St. Katharinen wird gefördert durch:

·       Stiftung Braunschweigischer Kulturbesitz

·       Die Braunschweigische Stiftung

·       Stiftung Musik-Kultur Braunschweig

·       Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit

·       Freundeskreis zur Förderung der Kirchenmusik an St. Katharinen

·       Einzelspenden

Lehr-Abende mit Rabbiner Dr. Walter Rothschild

Im Anschluss an die Predigtreihe „Josef und seine Brüder“ und im Rahmen von „Projekt Exodus“

Der Auszug der Kinder Israel aus Ägypten hat eine lange Vorgeschichte. „Tief ist der Brunnen der Vergangenheit“, beginnt Thomas Mann seinen Roman über „Josef und seine Brüder“, und das gilt auch für die Befreiung aus der ägyptischen Sklaverei. Deshalb haben wir dem „Projekt Exodus“ die großen Geschichten von Josef vorangestellt (1. Mose 37-50).

Rabbiner Dr. Walter Rothschild (Berlin) wird nach einem ersten Termin vor einigen Wochen nun zu zwei weiteren Lehr-Abenden nach Braunschweig kommen. Zusammen mit der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit Niedersachsen-Ost laden wir herzlich ein.

Di., 6. Oktober: Yosef der Hebräer.
Die Geschichte erzählt von den Mühen der Ebene und dem Weg einer
Wandlung: Vom Opfer zum Berater, von Intrigen und Missbrauch zur prophetischen Traum-Interpretation

Di., 27. Oktober: Yosef der Ägypter.
Befreit und gefordert. Wie Yosef auf dem Höhepunkt seiner Karriere seine Herkunftsfamilie wiederentdeckt, mit dem Tod seines Vaters umgeht und seine eigene Bestattung plant. Ein Mensch, der in die Fremde geht und seine Wurzeln (wieder)findet.

Wir freuen uns auf weitere Lehr-Abende mit Rabbinerin Karen Engel, die im November zur Exodus-Geschichte bei uns stattfinden werden:

3. November 2026
10. November 2026
17. November 2026

„Projekt Exodus“ mit Rabbinerin Engel

Drei Lehrabende im November 2026 – in Kooperation mit der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit

Händels „Israel in Ägypten konzentriert sich fast ausschließlich auf göttliche Macht und kriegerischen Sieg, – Gott als „Kriegsmann“, der „glorreich triumphiert“.  In der jüdischen Interpretation derselben Geschichte aber dominieren andere Themen:  Die Befreiung und die damit verbundenen ethischen Verpflichtungen. In drei Abende des Textstudiums und der Diskussion werden wir Händels „Israel in Ägypten“ durch eine jüdische Linse betrachten. Wir werden die Bedeutung und Funktion der Seuchen analysieren, die Rolle des Exodus in der jüdischen Liturgie betrachten, und wir werden diskutieren, wie Händels Interpretation des Exodus sich erheblich von der jüdischen Nacherzählung der Geschichte im Pesach-Seder unterscheidet.

Dienstag, 3. November 2026 um 18.30 Uhr
Einer der erfolgreichsten künstlerischen Darstellungen der biblischen Plagen findet man Händels Oratorium Israel in Egypt. Jede der über Ägypten hereinbrechenden Seuchen ist mit einer spielerischen, musikalischen Darstellung bedacht, fast lautmalerisch. Neben künstlerischen Fragen stellen sich auch theologische. Sind die Plagen eine Demonstration von Gottes Macht? Sind sie eine Strafe für die Hartherzigkeit Pharaohs, der die Israeliten immer stärker unterdrückt, anstatt sie ziehen zu lassen? Oder dienen die Plagen tatsächlich dazu, den Israeliten eine Botschaft zu senden? Die Rabbiner haben die Plagen im Laufe der Jahrhunderte auf unterschiedliche Weise verstanden, einige davon werden wir an diesem Abend kennenlernen.

10. November 2026 um 18.30 Uhr
Der Exodus ist wohl das zentrale historische Ereignis der jüdischen Liturgie. Er erscheint im täglichen, wöchentlichen und jährlichen Gebet und dient als theologische Grundlage für jüdische Ethik, für Feiertage und Philosophie. An jedem Schabbat und allen jüdischen Festen wird der Auszug aus Ägypten erwähnt und ist der Hauptfokus des Feiertags Pesach. Warum spielt der Exodus eine so wichtige Rolle in der jüdischen Theologie? Welche ethischen Auswirkungen hat das?

24. November 2026 um 18.30 Uhr
Obwohl Händels Libretto fast ausschließlich auf biblischen Texten basiert, unterscheidet sich seine Interpretation des Auszugs aus Ägypten erheblich vom jüdischen Verständnis des Exodus. Insbesondere in der liturgischen Nacherzählung der Geschichte in der Pesach-Haggada, werden andere Akzente gesetzt. Die wichtigsten Unterschiede drehen sich um die Rolle Moses und das Schicksal der Ägypter. Nehmen die Zuhörer eine passive oder eine aktive Rolle ein? Was bedeutet die Nacherzählung für Fragen der (jüdischen) Identität und welches Verständnis von Verantwortung kommt zum Tragen?

Rabbinerin Karen Engel, Foto (c) privat

Rabbinerin Karen Engel wurde im Mai 2024 vom Zacharias Frankel College ordiniert und erhielt ihren Master in Jüdischer Theologie von der Universität Potsdam.  Vor dem Rabbinatsstudium war sie an vielen Kultur-, Bildungs- und Medienprojekten in Österreich und Europa beteiligt, u.a. war sie Mitbegründerin und Leiterin eines jüdischen Kulturzentrums und einer jüdischen Bildungsorganisation in Graz, Österreich.  Sie arbeitete auch viele Jahren als Radioreporterin für den ORF, die Deutsche Welle, das National Public Radio (USA) und andere Medien. Sie hat auch einen B.A. in Geschichte und Internationalen Beziehungen sowie einen Master im Rundfunkjournalismus. Rabbinerin Engel ist Mutter zweier Töchter.  Seit 2024 organisiert sie die egalitären Gottesdienste für die Fraenkelufer Synagoge in Berlin und ist in mehreren Bildungsprojekten tätig.

Das Projekt Exodus wird gefördert durch:

  • Stiftung Braunschweigischer Kulturbesitz
  • Die Braunschweigische Stiftung
  • Stiftung Musik-Kultur Braunschweig
  • Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit
  • Freundeskreis zur Förderung der Kirchenmusik an St. Katharinen

Mittwochnachmittag

Termine für Oktober und November 2026

30. September 2026 um 15 Uhr
Thema: Religionskritik

vom 7. Oktober bis einschl. 21. Oktober pausiert „Mittwochnachmittag an St. Katharinen“.

28. Oktober 2026 um 15 Uhr
Thema: Reformation

Orgelpower trifft Schlagwerk

Dienstag, 6. Oktober 2026 um 19 Uhr in der Katharinenkirche

Zu einem Konzert in ungewöhnlicher Besetzung mit Orgel und Schlagzeug lädt am 6. Oktober 2026 der Freundeskreis zur Förderung der Kirchenmusik an St. Katharinen um 19 Uhr in die Kirche am Braunschweiger Hagenmarkt ein. Der Organist der Dresdener Frauenkirche Matthias Grünert und die international gefeierte Münchner Percussionistin Babette Haag entführen als Duo „Pipes & Beats“ ihr Publikum auf eine musikalische Klangreise unter dem Konzerttitel „Orgelpower trifft Schlagwerk“. Das Repertoire reicht von Johann Sebastian Bach barocker Fugenmeisterschaft über Werke der Spätromantik von Richard Strauss bis zu Werken moderner Komponisten. Im Anschluss an das Konzert klingt der Abend bei Wein und Wasser hinter der Orgel gesellig aus. Der Eintritt ist frei, eine Spende wird erbeten.