Drei Lehrabende im November 2026 – in Kooperation mit der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit

Händels „Israel in Ägypten konzentriert sich fast ausschließlich auf göttliche Macht und kriegerischen Sieg, – Gott als „Kriegsmann“, der „glorreich triumphiert“. In der jüdischen Interpretation derselben Geschichte aber dominieren andere Themen: Die Befreiung und die damit verbundenen ethischen Verpflichtungen. In drei Abende des Textstudiums und der Diskussion werden wir Händels „Israel in Ägypten“ durch eine jüdische Linse betrachten. Wir werden die Bedeutung und Funktion der Seuchen analysieren, die Rolle des Exodus in der jüdischen Liturgie betrachten, und wir werden diskutieren, wie Händels Interpretation des Exodus sich erheblich von der jüdischen Nacherzählung der Geschichte im Pesach-Seder unterscheidet.

Dienstag, 3. November 2026 um 18.30 Uhr
Einer der erfolgreichsten künstlerischen Darstellungen der biblischen Plagen findet man Händels Oratorium Israel in Egypt. Jede der über Ägypten hereinbrechenden Seuchen ist mit einer spielerischen, musikalischen Darstellung bedacht, fast lautmalerisch. Neben künstlerischen Fragen stellen sich auch theologische. Sind die Plagen eine Demonstration von Gottes Macht? Sind sie eine Strafe für die Hartherzigkeit Pharaohs, der die Israeliten immer stärker unterdrückt, anstatt sie ziehen zu lassen? Oder dienen die Plagen tatsächlich dazu, den Israeliten eine Botschaft zu senden? Die Rabbiner haben die Plagen im Laufe der Jahrhunderte auf unterschiedliche Weise verstanden, einige davon werden wir an diesem Abend kennenlernen.
10. November 2026 um 18.30 Uhr
Der Exodus ist wohl das zentrale historische Ereignis der jüdischen Liturgie. Er erscheint im täglichen, wöchentlichen und jährlichen Gebet und dient als theologische Grundlage für jüdische Ethik, für Feiertage und Philosophie. An jedem Schabbat und allen jüdischen Festen wird der Auszug aus Ägypten erwähnt und ist der Hauptfokus des Feiertags Pesach. Warum spielt der Exodus eine so wichtige Rolle in der jüdischen Theologie? Welche ethischen Auswirkungen hat das?
24. November 2026 um 18.30 Uhr
Obwohl Händels Libretto fast ausschließlich auf biblischen Texten basiert, unterscheidet sich seine Interpretation des Auszugs aus Ägypten erheblich vom jüdischen Verständnis des Exodus. Insbesondere in der liturgischen Nacherzählung der Geschichte in der Pesach-Haggada, werden andere Akzente gesetzt. Die wichtigsten Unterschiede drehen sich um die Rolle Moses und das Schicksal der Ägypter. Nehmen die Zuhörer eine passive oder eine aktive Rolle ein? Was bedeutet die Nacherzählung für Fragen der (jüdischen) Identität und welches Verständnis von Verantwortung kommt zum Tragen?

Rabbinerin Karen Engel wurde im Mai 2024 vom Zacharias Frankel College ordiniert und erhielt ihren Master in Jüdischer Theologie von der Universität Potsdam. Vor dem Rabbinatsstudium war sie an vielen Kultur-, Bildungs- und Medienprojekten in Österreich und Europa beteiligt, u.a. war sie Mitbegründerin und Leiterin eines jüdischen Kulturzentrums und einer jüdischen Bildungsorganisation in Graz, Österreich. Sie arbeitete auch viele Jahren als Radioreporterin für den ORF, die Deutsche Welle, das National Public Radio (USA) und andere Medien. Sie hat auch einen B.A. in Geschichte und Internationalen Beziehungen sowie einen Master im Rundfunkjournalismus. Rabbinerin Engel ist Mutter zweier Töchter. Seit 2024 organisiert sie die egalitären Gottesdienste für die Fraenkelufer Synagoge in Berlin und ist in mehreren Bildungsprojekten tätig.
Das Projekt Exodus wird gefördert durch:
- Stiftung Braunschweigischer Kulturbesitz
- Die Braunschweigische Stiftung
- Stiftung Musik-Kultur Braunschweig
- Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit
- Freundeskreis zur Förderung der Kirchenmusik an St. Katharinen









