Eröffnung von „120 Jahre Dietrich Bonhoeffer“

Am 27. Mai 2026 im Gemeindesaal, Pfarrer Werner Busch

Im ersten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts geboren, gehörte Dietrich Bonhoeffer zur Generation meiner Großeltern. Er hatte seine Kindheit noch im Kaiserreich und die Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts sowie die Revoultionsmonate in seinen ersten Jugendjahren mit erlebt, altersbedingt eher indirekt durch das, was im Elternhaus darüber gesprochen wurde.  Die Alterskohorte der ersten 1900er Jahre hat den Hauptteil ihrer Jugend und vor allem den Eintritt in das aktive Erwachsenenleben dann in der politisch unruhigen Weimarer Republik erlebt.

Es war eine brodelnde Zeit mit vielen verschiedenen Impulsen. Sie war u.a. geprägt von der „neuer Sachlichkeit“ der Bauhausarchitektur. Nicht nur in der Hauptstadt waren die Goldenen 1920er Jahre kulturell ein wahres „Babylon Berlin“. Mit der Zeit, in der Bonhoeffer studierte und seine ersten berufliche Schritte ging, betreten wir philosophisch die Epoche der „Zauberer“ Martin Heidegger, Ludwig Wittgenstein, Ernst Cassirer und Walter Benjamin. 

Auch theologisch war es eine Etappe gärenden Übergangs.

Zunächst wirkten immer noch starke traditionelle, restaurative Züge weiter. Das staatskirchliche Mindset ließ sich nicht einfach abschütteln. In der Geschichte unserer Gemeinde St. Katharinen kann man das an einem schlichten Faktum ablesen. 1918/19 war nach der Urkatastrophe des 1. Weltkrieges mit dem Untergang des Kaiserreiches zwar auch die Verbindung von Thron und Altar zerbrochen und aufgelöst. Sie lebte aber in den Köpfen und Herzen noch weiter. In den 1920er Jahren gestaltete man in unserem Kirchraum ein monumentales nationalprotestantisches Kriegerdenkmal mit kaiserzeitlicher Bild- und Wortsprache und einer religiösen Überhöhung des verlorenen Krieges.

Zugleich gab es theologisch neue Aufbrüche. Man entdeckte z.B. die Theologie Martin Luthers wieder und interpretierte sie in der sogen. Lutherrenaissance auf neue Weise. In der Forschung heißt diese Bewegung der „andere Aufbruch“. Die noch stärker bildgebende Innovation in Theologie und Kirche war die anfangs sogen. „Theologie der Krise“. Sie begann mit Karl Barth und anderen Theologen in den 1920er Jahren und wurde zur „Dialektischen Theologie“ bzw. der „Theologie des Wortes Gottes“ weiterentwickelt. Theologische Lehrer dieser Bewegung waren teils kontrovers veranlagt und wurden bis weit in die 1960er Jahre wirkmächtig prägend. Im lockeren Netzwerk dieser theologischen Köpfe der 1920er und 1930er Jahren ist auch Dietrich Bonhoeffer anzusiedeln.

Dass diese theologische Denkrichtung immerhin für ein paar Jahrzehnte so bedeutend wurde, war in der kurzen Zeit der Weimarer Republik noch nicht ausgemacht. Da dachte und lebte man noch „zwischen den Zeiten“. So lautete auch der Titel einer wiederum von Karl Barth u.a. neu gegründeten Zeitschrift. Ihre erste Ausgabe erschien im großen Krisenjahr 1923 (Hyperinflation & Ruhrbesetzung). 10 Jahre später – im Schicksalsjahr 1933 – wurde ihre letzte Nummer herausgebracht. Mitten in diesem Zwischenjahrzehnt erschien Bonhoeffers Dissertation „Communio Sanctorum“ 1927. Für Karl Barth war dieses wissenschaftliche Erstlingswerk des gerade mal 21-jährigen Berliner Theologen eine herausragende Innovation, „ein theologisches Wunder“. Dietrich Bonhoeffer war ein aufgehender Stern am Himmel des theologischen Nachwuchses, der die großen alten Recken der bürgerlich-liberalen Theologie wie Adolf von Harnack abzulösen sich anschickte.

Auch in anderen Wissenschaften waren schon längst neue Horizonte aufgerissen: Max Weber begründete die Soziologie, Sigmund Freud und die von ihm abzweigenden Schulen entwickelten die Tiefenpsychologie. Wir befinden uns in einer geistes- und humanwissenschaftlich ungeheuer produktiven Zeit voller Entdeckungen und großer Entwürfe, auch gefährlicher (siehe Kernspaltung).

Sollte ich aus der parallel dazu laufenden Familiengeschichte erzählen – was ich nur andeute –, müsste ich vom Aufbruch eines jungen Landwirtspaares berichten. Eine verlorene große Landwirtschaft der Familie wurde zurückerworben und mit großem Elan und Gestaltungswillen erfolgreich zu neuer Blüte gebracht, bis … Ja, bis eine Katastrophe über Land und Menschen hereinbrach, die man geradezu mit Wagenseilen herbeigezogen hatte. Das junge Paar verlor alles. Die schuldhaften Verwicklungen und schicksalhaften Wendungen in den Biographien dieser Jahrgänge konnte am Beginn ihrer Lebensläufe – 30 Jahre zuvor – niemand auch nur von ferne kommen sehen.

Wer sich mit bedeutenden Persönlichkeiten dieser Generation beschäftigt, kommt also nicht umhin, die entsprechenden Zeitgenossen derselben Alterskohorte aus seiner Familie besuchen – oder  wenigstens zu besichtigen. Für manche von uns waren es die Eltern, für andere die Großeltern, für wenige von uns die Urgroßaltern. In der Generationenkette gehen wir bis ins 3. und 4. Glied zurück. In biblischer Weisheitssprache ist das die Wirkungsdauer oder Aura, mit der geschichtsträchtige Ereignisse nachwirken und als historische, familiäre Last empfunden werden. Noch Urenkel und Urgroßeltern haben einen Rest gemeinsamen Schicksals und ähnliche existentielle Fragen.

Dietrich Bonhoeffer war bekanntlich kein typischer Vertreter seiner Generation. Als Ausnahmegestalt dieser kurzen und so schicksalsträchtigen Epoche ist er für viele im Vergleich zur eigenen Familiengeschichte einerseits ein Trost, aber auch eine Herausforderung. Sein Charisma ist zweischneidig und fühlt sich nicht nur angenehm an. Diese am Ende noch nicht ausgereifte Frucht ist nicht ganz so bekömmlich, wie die nachträgliche Heldenverehrung sie feilbietet. Bonhoeffer war nur ein Mensch.

Wir haben diese Reihe überschrieben mit „120 Jahre Dietrich Bonhoeffer“, als gäbe es die Zäsur des Todes nicht. Seine Ermordung durch die Nationalsozialisten gilt inzwischen vielen als Märtyrertod, als abschließender Höhepunkt seines Weges. Wir vergessen aber nicht, dass das bis in die 1960er Jahre noch gar nicht die allgemeine kirchliche Meinung von ihm war. Erst posthum wurde Bonhoeffer zu einem starken Impulsgeber für Generationen von Theolog:innen und ganz normalen Christenmenschen. Bedeutende kirchenleitende Persönlichkeiten haben ihn zu einem ihrer Fixsterne erkoren, so etwa Wolfgang Huber und Christiane Tietz. Sogar die Straße, in der das Landeskirchenamt unserer Landeskirche zu finden ist, trägt den Namen Dietrich Bonhoeffers. Bonhoeffer ist in aller Munde. Friedensbewegte und stramme Rechte suchen Bestätigung bei ihm. Kirchenreformer finden in seinen Zitaten ihre Stichworte und manchen Frommen ist er ein Bruder.

Aber Achtung! Jede Bewunderung, jede Affirmation ist auch eine Übermalung. Die 8 Jahrzehnte nach seinem Tod haben viele verschiedene Schichten auf seinen Namen aufgetragen. Wir versuchen mit dieser Reihe, noch einmal genauer hinzuschauen. Wir konnten Forscherinnen und Forscher gewinnen, die einen neuen, frischen Blick auf diesen protestantischen Heiligen werfen. Bonhoeffer wird uns nachdenklich machen. Wir werden allerdings nicht nur von ihm, sondern auch an ihm lernen. Wir tauchen in eine besondere Krisenzeit ein und in den Fragen unserer Gegenwart wieder auf. Denn hier und heute leben wir.

Dazu heißt Sie das Team von „Mittwochnachmittag an St. Katharinen“ hier und heute herzlich willkommen. Wir danken Ihnen allen für Ihr Interesse.

Diese Veranstaltung wird von Gemeindepflege-Stiftung St. Katharinen getragen und von mehreren Kooperationspartnern unterstützt: Ev. Studierendengemeinde (esg), Dietrich-Bonhoeffer-Gemeinde Melverode, Ev. Erwachsenenbildung Niedersachsen und noch weitere, die Sie in dem Flyer erwähnt finden.

Wir wünschen Ihnen neue Erkenntnisse und Anregungen zum Weiterdenken. Die Vorträge werden nicht nur Bekanntes wiederholen. Bitte machen Sie sich bereit für die Mühen der zweiten und dritten Meile. Unsere Vortragsreihe ist dabei nicht allein als Wissensbereicherung angelegt. Sie haben bei uns die Gelegenheit, dass Bonhoeffers Leben und Werk Ihren spirituellen Horizont erweitert – oder stört. Möge das hier – wenn Sie das so nehmen möchten – auch Ihren Glauben weiterbringen.

Werner Busch

120 Jahre Dietrich Bonhoeffer

Auftaktveranstaltung am Mittwoch, 27. Mai 2026 um 17.15 Uhr

Für etwa einen Monat wird unser „Mittwochnachmittag an St. Katharinen“ in einen Ausnahmezustand versetzt. Anlässlich des 120. Geburtsjahres des Theologen und Widerstandskämpfers Dietrich Bonhoeffer wenden wir uns zusammen mit unserem Kooperationspartner esg Braunschweig an einen breiten Kreis von Interssierten.

Seit 8 Jahrzehnten inspirieren Leben und Werk Dietrich Bonhoeffers. Vielen ist er zum Vordenker und Vorbild geworden. Aktuell und generationenübergreifend wie seine Wirkung wird auch diese Veranstaltungsreihe.

Am 27. Mai 2026 ab 17.15 Uhr geht es in der gut 2-stündigen Veranstaltung mit Musik und Imbiss, Vortrag und Austausch und einer abschließenden Andacht um Bonhoeffers Aufenthalt(e) in New York. Referent Hellmut Schlingensiepen (Fotograph, Filmemacher und Autor, Jahrgang 1965) wird auf dem Hintergrund von Bonhoeffers biographischer Station über „Black Lives Matter“ sprechen.

Foto: Hellmut Schlingensiepen (c) privat

Diese Reihe wird von der Gemeindepflege-Stiftung St. Katharinen mit verschiedenen Kopperationspartnern durchgeführt.

Sie bietet Ihnen die Möglichkeit, den Theologen, Widerstandskämpfer und Märtyrer Bonhoeffer mithilfe neuerer Forschungsergebnisse aus unterschiedlichen Blickwinkeln neu kennenzulernen. In seinen pointierten Texten begegnet uns ein engagiertes Denken mit geistlicher Tiefe. Lassen Sie sich von Bonhoeff er herausfordern! Erweitern Sie Ihren spirituellen Horizont. Wir laden Sie zu einer Entdeckungsreise ein. Mit Bonhoeff ers Theologie tauchen Sie in eine besonders dichte und schwierige Zeit des 20. Jahrhunderts ein und in den Fragen unserer Gegenwart wieder auf.

Der Eintritt ist frei. Eine Spende wird erbeten.

Musikalischer Festgottesdienst

Pfingst-Sonntag, 24. Mai 2026 um 10.30 Uhr, mit Abendmahl

Sopran-Solistin Johanna von Bibra singt Werke von Georg Friedrich, Händel, Johann Sebastian Bach und Anton Dvořák, begleitet von Propsteikantor Hanno Schiefner an der Orgel. Die Predigt hält Pfarrer Werner Busch. Beim Abendmahl werden Einzelkelche mit Wein oder Traubensaft gereicht.

Foto: (c) Martin Briegel

Nach einer ersten Gesangsausbildung, einer Tanz- und Schauspielgrundausbildung am Gospel Art Kolleg München schloss Johanna von Bibra ein Masterstudium und Meisterkurse im Hauptfach Gesang an und tritt mit verschiedenen Vokalensemblen und vielfach solistisch auf. In dem Abendmahlsgottesdienst singt sie Werke von Georg Friedrich, Händel, Johann Sebastian Bach und Anton Dvořák, die Predigt hält Katharinenpfarrer Werner Busch. Der Eintritt ist frei.

Einblicke in eine verschlossene Welt

Mittwoch, 20. Mai 2026 ab 15 Uhr: Vortrag über Leben und Arbeiten im Gefängnis

Gefängnisseelsorger Pfarrer Bernhard Kiy und Justizvollzugsbeamter der JVA Wolfenbüttel Oliver Grau im Rahmen von „Mittwochnachmittag an St. Katharinen“.

Pfarrer Bernhard Kiy (Foto: privat) war einige Jahre Gemeindepfarrer in Lamme. Vor einiger Zeit hat er sich beruflich verändert und einen besonderen Dienstort gewählt: Die Justizvollzugsanstalt in Wolfenbüttel – für die meisten unserer Leserinnen und Leser eine verborgene Welt. “Ich bin im Gefängnis gewesen und ihr seid zu mir gekommen.” (Matthäus 25) – aufgrund dieses Wortes von Jesus gehört der seelsorgliche Beistand für Inhaftierte zu den klassischen christlichen “Werken der Barmherzigkeit”. Die Kirchen haben darauf geregelte Arbeitsfelder gemacht. Wie das konkret aussehen kann, erzählt Pfarrer Kiy in seinem Beitrag.

Zu Beginn möchte ich Grundsätzliches über die Arbeit von Gefängnispfarrerinnen und – pfarrern klären. Gefängnis-Seelsorge beruht auf dem Grundgesetz. Es garantiert einerseits den Gefangenen das Recht auf freie Religionsausübung (Artikel 4 Grundgesetz) und andererseits den Kirchen und Religionsgemeinschaften das Recht zu Gottesdienst und Seelsorge in Gefängnissen (Artikel 140 Grundgesetz in Verbindung mit Art. 141 Weimarer Reichsverfassung). In Niedersachsen ist die Gefängnisseelsorge durch Artikel 6 des Vertrages der evangelischen Landeskirchen in Niedersachsen mit dem Land Niedersachsen vom 19. März 1955 (Loccumer Vertrag: (https://www.kirchenrecht-braunschweig.de/pdf/32991.pdf)) in Verbindung mit Artikel 3 des Ergänzungsvertrages zum Loccumer Vertrag vom 4. März 1965 institutionell gewährleistet und rechtlich verankert. Es gibt ein verfasstes Recht auf freie Religionsausübung, Gottesdienst und Seelsorge für jeden Gefangenen, jede Gefangene. Dafür braucht es Profis, also Pfarrerinnen und Pfarrer, die einerseits durch Studium an einer Universität und durch Ausbildung und Ordination in Kirchengemeinden befähigt sind, Gottesdienste zu feiern. Durch eine zusätzliche pastoralpsychologische Qualifizierung werden wir für die Seelsorge an diesem besonderen Ort vorbereitet.

Bei der Tätigkeit eines Gefängnisseelsorgers, wie ich es als Pfarrer bin, in einer Justizvollzugsanstalt denkt man zunächst an harte Kerle, die eigentlich nichts mit Glauben oder Religion zu tun haben wollen.

Dieses Denken ist ein riesengroßer Irrtum. Es hat mich regelrecht umgehauen, dass unglaublich viele Gefangene sehr genau und sehr intensiv die Bibel lesen. Überrascht werde ich als Gefängnisseelsorger immer wieder von Gefangenen, die in meine Gesprächsgruppen kommen oder die zu mir in die Einzel-Seelsorge kommen. Immer wieder bin ich erstaunt, wie gut manche Männer sich in der Bibel auskennen. Sie machen sich in ihren Bibeln Notizen. Sie unterstreichen manche Passagen. Die biblischen Worte sind für sie wie ein Lebensmittel im sehr eintönigen Gefängnisalltag.

Ich bin überzeugt, dass viele von ihnen ohne Probleme eine Bibelkundeprüfung an der Universität bestehen würden. Darüber hinaus suchen Sie das Gespräch zu mir. Manchmal geschieht das direkt im Gottesdienst oder in meinen Gruppengesprächen.

Die Gefangenen, die ein Einzelgespräch wünschen oder an einer Gesprächsgruppe zur Bibel teilnehmen möchten, stellen dafür einen schriftlichen Antrag. Dieser wird bei den Beamt:innen des Stationsbüros abgegeben und in mein Postfach gelegt. Mit diesem Antrag suche ich die Gefangenen in ihren Hafträumen auf und komme mit ihnen in Kontakt.

Regelmäßig finde ich einen Antrag mit der Bitte um eine Bibel. Mit Hilfe der Braunschweiger Bibelgesellschaft habe ich Zugriff auf Bibelübersetzungen in vielen Sprachen.

Ich will ihnen schildern, was ich erlebe, wenn ich als Seelsorger im Gefängnis einem Gefangenen aus Kolumbien oder aus Georgien oder aus Italien oder aus Lettland oder aus Deutschland eine Bibel in seiner Muttersprache überreiche.

Die Männer würdigen von ganzem Herzen dieses Geschenk. Manchmal küssen sie die Bibel und drücken die Bibel an ihr Herz. Sie bekreuzigen sich, wenn ich ihnen eine Bibel schenke. Sie geben ihr einen besonderen Platz in ihrem Haftraum und haben sie immer vor Augen. So wird sie zur Kraftquelle für Leib und Seele, die ihnen hilft zu überleben.

Diese Männer, die sehr hart gegen sich selbst und andere Menschen sein können, werden ganz anders. Sie bekommen leuchtende Augen wie kleine Kinder, die an Heilig Abend den geschmückten Weihnachtsbaum sehen. Diese Männer werden ganz weich und ihnen schießen die Tränen in die Augen.

Ich habe verstanden, dass es unendlich kostbar ist, durch die Übersetzung der Heiligen Schrift in die eigene Muttersprache, Heimat geschenkt zu bekommen an diesem abgeschiedenen Ort, der unzugänglich ist für die allgemeine Öffentlichkeit.

Und ich bekomme eine neue Vorstellung davon, dass Gottes Geist in unserer unerlösten Welt die Hoffnung stärkt, sich verändern zu können und Heilung zu erfahren.

Pfarrer Bernhard KiyEvangelischer Gefängnisseelsorger in der JVA Wolfenbüttel
Systemischer Therapeut & Berater (SG)
Systemischer Supervisor (SG)
https://justizvollzugsanstalt-wolfenbuettel.niedersachsen.de/themen/seelsorge/die-kirche-im-gefangnis-93798.html

Zwischen Institution und Inspiration: Kirchenleitung in Geschichte und Gegenwart

Dienstag, 19. Mai 2026 um 18 Uhr im Gemeindesaal

Mit „Kirche und Macht“ hat die Synode der EKD im November 2024 für die kommenden Jahre ein aktuelles Schwerpunktthema ausgerufen. Die Aktualität des Themas zeigt sich u.a. auf dem politischen Feld, wo „die autoritäre Versuchung“ (Anne Applebaum) an Bedeutung gewonnen hat. Zudem ist innerkirchlich ein tiefgreifender Umbau der landeskirchlichen Strukturen im Gang, der u.a. eine Umverteilung von Ressourcen- und Lenkungsmacht mit sich bringen soll.

Die Braunschweiger Katharinengemeinde hat die EKD-Anregung aufgegriffen und setzt eine begonnene Veranstaltungsreihe am Dienstag, 19. Mai 2026, mit besonderen Gästen fort.

Prof. Dr. Rapp: (c) Nina Tschavoll – Landesbischöfin Dr. Bammel: (c) Klaus G. Kohn – Duo Hecker: (c) privat

Prof. Dr. Claudia Rapp, seit 2011 Professorin für Byzantinistik an der Universität Wien, wird mit Ihrem Vortrag „Zwischen Askese und Macht: Bischöfe in der frühen Kirche“ über Kirchenleitung in der Umbruchszeit des spätrömischen Reiches (3.-5. Jahrhundert n.Chr.) sprechen. Zwischen einer Autorität durch persönliche Glaubwürdigkeit und weltlicher Machtausübung, die dem geistlichen Amt ebenfalls zuerkannt wurde, entwickelte sich ein kritisches Spannungsverhältnis. Unter ganz anderen Umständen ist dies auch heute Gegenstand intensiven theologischen Nachdenkens. Nach dem historischen Teil des Abends tritt Landesbischöfin Dr. Christina-Maria Bammel mit einem Impuls zu „Wort- und Wirkmacht zwischen Institution und Inspiration“ in ein Podiumsgespräch über gegenwärtige Kirchenleitung ein.

Im Anschluss laden die Kirchengemeinde und die Gemeindepflege-Stiftung von St. Katharinen zu einem Empfang mit Wasser und Wein ein. Für die musikalische Rahmung des Abends wurde das „Duo Hecker“ gewonnen (Claus-Eduard Hecker: Flügel, Ulrike Hecker: Flöte). Der Eintritt ist frei.

Unsere Referentinnen

Prof. Dr. Claudia Rapp
Claudia Rapp, Jahrgang 1961; Studium in Berlin, Doktorat in Oxford; Professuren in Cornell und UCLA; seit 2011 Professur für Byzantinistik, Universität Wien; seit 2022 Direktorin des Instituts für Mittelalterforschung, Österreichische Akademie der Wissenschaften. Zahlreiche Publikationen zur Sozial- und Kulturgeschichte von Spätantike und Byzanz, häufig unter religiösen Aspekten.

Landesbischöfin Dr. Christina-Maria Bammel
Geboren 1973 in Berlin (Pankow). Studium der Evangelischen Theologie in Marburg und Berlin sowie Religionswissenschaften und Philosophie in den USA. Promotion in Systematischer Theologie. Pfarrerin der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EKBO), später Oberkonsistorialrätin und von 2019 bis 2026 Pröpstin der EKBO. Seit 1. Mai 2026 Landesbischöfin der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche in Braunschweig.