Einblicke in eine verschlossene Welt

Mittwoch, 20. Mai 2026 ab 15 Uhr: Vortrag über Leben und Arbeiten im Gefängnis

Gefängnisseelsorger Pfarrer Bernhard Kiy und Justizvollzugsbeamter der JVA Wolfenbüttel Oliver Grau im Rahmen von „Mittwochnachmittag an St. Katharinen“.

Pfarrer Bernhard Kiy (Foto: privat) war einige Jahre Gemeindepfarrer in Lamme. Vor einiger Zeit hat er sich beruflich verändert und einen besonderen Dienstort gewählt: Die Justizvollzugsanstalt in Wolfenbüttel – für die meisten unserer Leserinnen und Leser eine verborgene Welt. “Ich bin im Gefängnis gewesen und ihr seid zu mir gekommen.” (Matthäus 25) – aufgrund dieses Wortes von Jesus gehört der seelsorgliche Beistand für Inhaftierte zu den klassischen christlichen “Werken der Barmherzigkeit”. Die Kirchen haben darauf geregelte Arbeitsfelder gemacht. Wie das konkret aussehen kann, erzählt Pfarrer Kiy in seinem Beitrag.

Zu Beginn möchte ich Grundsätzliches über die Arbeit von Gefängnispfarrerinnen und – pfarrern klären. Gefängnis-Seelsorge beruht auf dem Grundgesetz. Es garantiert einerseits den Gefangenen das Recht auf freie Religionsausübung (Artikel 4 Grundgesetz) und andererseits den Kirchen und Religionsgemeinschaften das Recht zu Gottesdienst und Seelsorge in Gefängnissen (Artikel 140 Grundgesetz in Verbindung mit Art. 141 Weimarer Reichsverfassung). In Niedersachsen ist die Gefängnisseelsorge durch Artikel 6 des Vertrages der evangelischen Landeskirchen in Niedersachsen mit dem Land Niedersachsen vom 19. März 1955 (Loccumer Vertrag: (https://www.kirchenrecht-braunschweig.de/pdf/32991.pdf)) in Verbindung mit Artikel 3 des Ergänzungsvertrages zum Loccumer Vertrag vom 4. März 1965 institutionell gewährleistet und rechtlich verankert. Es gibt ein verfasstes Recht auf freie Religionsausübung, Gottesdienst und Seelsorge für jeden Gefangenen, jede Gefangene. Dafür braucht es Profis, also Pfarrerinnen und Pfarrer, die einerseits durch Studium an einer Universität und durch Ausbildung und Ordination in Kirchengemeinden befähigt sind, Gottesdienste zu feiern. Durch eine zusätzliche pastoralpsychologische Qualifizierung werden wir für die Seelsorge an diesem besonderen Ort vorbereitet.

Bei der Tätigkeit eines Gefängnisseelsorgers, wie ich es als Pfarrer bin, in einer Justizvollzugsanstalt denkt man zunächst an harte Kerle, die eigentlich nichts mit Glauben oder Religion zu tun haben wollen.

Dieses Denken ist ein riesengroßer Irrtum. Es hat mich regelrecht umgehauen, dass unglaublich viele Gefangene sehr genau und sehr intensiv die Bibel lesen. Überrascht werde ich als Gefängnisseelsorger immer wieder von Gefangenen, die in meine Gesprächsgruppen kommen oder die zu mir in die Einzel-Seelsorge kommen. Immer wieder bin ich erstaunt, wie gut manche Männer sich in der Bibel auskennen. Sie machen sich in ihren Bibeln Notizen. Sie unterstreichen manche Passagen. Die biblischen Worte sind für sie wie ein Lebensmittel im sehr eintönigen Gefängnisalltag.

Ich bin überzeugt, dass viele von ihnen ohne Probleme eine Bibelkundeprüfung an der Universität bestehen würden. Darüber hinaus suchen Sie das Gespräch zu mir. Manchmal geschieht das direkt im Gottesdienst oder in meinen Gruppengesprächen.

Die Gefangenen, die ein Einzelgespräch wünschen oder an einer Gesprächsgruppe zur Bibel teilnehmen möchten, stellen dafür einen schriftlichen Antrag. Dieser wird bei den Beamt:innen des Stationsbüros abgegeben und in mein Postfach gelegt. Mit diesem Antrag suche ich die Gefangenen in ihren Hafträumen auf und komme mit ihnen in Kontakt.

Regelmäßig finde ich einen Antrag mit der Bitte um eine Bibel. Mit Hilfe der Braunschweiger Bibelgesellschaft habe ich Zugriff auf Bibelübersetzungen in vielen Sprachen.

Ich will ihnen schildern, was ich erlebe, wenn ich als Seelsorger im Gefängnis einem Gefangenen aus Kolumbien oder aus Georgien oder aus Italien oder aus Lettland oder aus Deutschland eine Bibel in seiner Muttersprache überreiche.

Die Männer würdigen von ganzem Herzen dieses Geschenk. Manchmal küssen sie die Bibel und drücken die Bibel an ihr Herz. Sie bekreuzigen sich, wenn ich ihnen eine Bibel schenke. Sie geben ihr einen besonderen Platz in ihrem Haftraum und haben sie immer vor Augen. So wird sie zur Kraftquelle für Leib und Seele, die ihnen hilft zu überleben.

Diese Männer, die sehr hart gegen sich selbst und andere Menschen sein können, werden ganz anders. Sie bekommen leuchtende Augen wie kleine Kinder, die an Heilig Abend den geschmückten Weihnachtsbaum sehen. Diese Männer werden ganz weich und ihnen schießen die Tränen in die Augen.

Ich habe verstanden, dass es unendlich kostbar ist, durch die Übersetzung der Heiligen Schrift in die eigene Muttersprache, Heimat geschenkt zu bekommen an diesem abgeschiedenen Ort, der unzugänglich ist für die allgemeine Öffentlichkeit.

Und ich bekomme eine neue Vorstellung davon, dass Gottes Geist in unserer unerlösten Welt die Hoffnung stärkt, sich verändern zu können und Heilung zu erfahren.

Pfarrer Bernhard KiyEvangelischer Gefängnisseelsorger in der JVA Wolfenbüttel
Systemischer Therapeut & Berater (SG)
Systemischer Supervisor (SG)
https://justizvollzugsanstalt-wolfenbuettel.niedersachsen.de/themen/seelsorge/die-kirche-im-gefangnis-93798.html

Zwischen Institution und Inspiration: Kirchenleitung in Geschichte und Gegenwart

Dienstag, 19. Mai 2026 um 18 Uhr im Gemeindesaal

Mit „Kirche und Macht“ hat die Synode der EKD im November 2024 für die kommenden Jahre ein aktuelles Schwerpunktthema ausgerufen. Die Aktualität des Themas zeigt sich u.a. auf dem politischen Feld, wo „die autoritäre Versuchung“ (Anne Applebaum) an Bedeutung gewonnen hat. Zudem ist innerkirchlich ein tiefgreifender Umbau der landeskirchlichen Strukturen im Gang, der u.a. eine Umverteilung von Ressourcen- und Lenkungsmacht mit sich bringen soll.

Die Braunschweiger Katharinengemeinde hat die EKD-Anregung aufgegriffen und setzt eine begonnene Veranstaltungsreihe am Dienstag, 19. Mai 2026, mit besonderen Gästen fort.

Prof. Dr. Rapp: (c) Nina Tschavoll – Landesbischöfin Dr. Bammel: (c) Klaus G. Kohn – Duo Hecker: (c) privat

Prof. Dr. Claudia Rapp, seit 2011 Professorin für Byzantinistik an der Universität Wien, wird mit Ihrem Vortrag „Zwischen Askese und Macht: Bischöfe in der frühen Kirche“ über Kirchenleitung in der Umbruchszeit des spätrömischen Reiches (3.-5. Jahrhundert n.Chr.) sprechen. Zwischen einer Autorität durch persönliche Glaubwürdigkeit und weltlicher Machtausübung, die dem geistlichen Amt ebenfalls zuerkannt wurde, entwickelte sich ein kritisches Spannungsverhältnis. Unter ganz anderen Umständen ist dies auch heute Gegenstand intensiven theologischen Nachdenkens. Nach dem historischen Teil des Abends tritt Landesbischöfin Dr. Christina-Maria Bammel mit einem Impuls zu „Wort- und Wirkmacht zwischen Institution und Inspiration“ in ein Podiumsgespräch über gegenwärtige Kirchenleitung ein.

Im Anschluss laden die Kirchengemeinde und die Gemeindepflege-Stiftung von St. Katharinen zu einem Empfang mit Wasser und Wein ein. Für die musikalische Rahmung des Abends wurde das „Duo Hecker“ gewonnen (Claus-Eduard Hecker: Flügel, Ulrike Hecker: Flöte). Der Eintritt ist frei.

Unsere Referentinnen

Prof. Dr. Claudia Rapp
Claudia Rapp, Jahrgang 1961; Studium in Berlin, Doktorat in Oxford; Professuren in Cornell und UCLA; seit 2011 Professur für Byzantinistik, Universität Wien; seit 2022 Direktorin des Instituts für Mittelalterforschung, Österreichische Akademie der Wissenschaften. Zahlreiche Publikationen zur Sozial- und Kulturgeschichte von Spätantike und Byzanz, häufig unter religiösen Aspekten.

Landesbischöfin Dr. Christina-Maria Bammel
Geboren 1973 in Berlin (Pankow). Studium der Evangelischen Theologie in Marburg und Berlin sowie Religionswissenschaften und Philosophie in den USA. Promotion in Systematischer Theologie. Pfarrerin der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EKBO), später Oberkonsistorialrätin und von 2019 bis 2026 Pröpstin der EKBO. Seit 1. Mai 2026 Landesbischöfin der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche in Braunschweig.

120 Jahre Dietrich Bonhoeffer

Eine Veranstaltungsreihe der Gemeindepflege-Stiftung

Seit 8 Jahrzehnten ist Dietrich Bonhoeff er (1906–1945) für unzählige Menschen zur Inspiration und zum Vorbild geworden. Aktuell und Generationen übergreifend wie seine Wirkung ist auch diese Veranstaltungsreihe. Anlässlich seines 120. Geburtsjahres richtet sich diese Reihe an Menschen unterschiedlichen Alters und greift drängende Fragestellungen unserer Zeit auf.

Auch die Referierenden gehören unterschiedlichen Forscher:innen-Generationen an und haben i.d.R. erst vor kurzem über den berühmten Theologen publiziert. Im Zentrum der jeweils gut 2-stündigen Veranstaltungen steht ein ausführlicher Vortrag mit der Möglichkeit für Nachfragen und Austausch.

Bonhoeffer zielte auf geistliches Leben und praktizierte Spiritualität. Dem folgend münden die meisten dieser Abende in eine Andacht mit Texten von Bonhoeff er, Liedern und Gebet. Ein kleiner Imbiss wird gereicht. Der Eintritt ist frei, eine Spende wird erbeten.

Diese Reihe bietet Ihnen die Möglichkeit, den Theologen, Widerstandskämpfer und Märtyrer Bonhoeffer
mithilfe neuerer Forschungsergebnisse aus unterschiedlichen Blickwinkeln neu kennenzulernen. In seinen pointierten Texten begegnet uns ein engagiertes Denken mit geistlicher Tiefe. Lassen Sie sich von Bonhoeff er herausfordern! Erweitern Sie Ihren spirituellen Horizont. Wir laden Sie zu einer Entdeckungsreise ein. Mit Bonhoeff ers Theologie tauchen Sie in eine besonders dichte und schwierige Zeit des 20. Jahrhunderts ein und in den Fragen unserer Gegenwart wieder auf.

Veranstaltungsort

Gemeindehaus St. Katharinen
An der Katharinenkirche 4
38100 Braunschweig

Straßbahnhaltestelle Hagenmarkt
2 min Entfernung
Linien 1,2,3,4,10

Informationen bei Pfarrer Werner Busch
werner.busch@nulllk-bs.de
0531 44 66 9

Programm

Mi., 27. Mai um 17.15 UhrBlack Lives matter!
Mi 3. Juni um 17.15 UhrEine mystische Biographie
Mi 10. Juni um 17.15 UhrDeep Fake und „Die Wahrheit sagen“
Di 16. Juni um 16 UhrSchreien und Singen! Für die Juden
Mi 17. Juni um 17.15 UhrBonhoeffer in Film-Dokumentationen
Mi 24. Juni um 17.15Versuchung hinter Gittern.

An den Abenden werden ein kleiner Imbiss und Getränke gereicht. Einzelne Nachmittage werden unterstützt von der Stiftung Agathon, der Evangelischen Erwachsenenbildung Niedersachsen und der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit. Der Eintritt ist frei. Eine Spende wird erbeten.

Kooperationspartner und Förderer

Ev.-luth. Kirchengemeinde St. Katharinen

https://www.esg-braunschweig.de

https://www.eeb-niedersachsen.de

https://www.kirchengemeindeverband-braunschweiger-sueden.de/melverode-extern

https://niedersachsen-ost.deutscher-koordinierungsrat.de/gcjz-niedersachsen-ost

Stiftung Agathon
an St. Katharinen

The Queen’s Six

A-capella-Konzert am Samstag, 30 Mai 2026 um 17 Uhr in St. Katharinen

The Queen’s Six aus Windsor Castle singen im Auftrag Seiner Majestät täglich in der St. Georges Chapel und werden weltweit vom Publikum und der Fachpresse gleichermaßen mit frenetischem Applaus gefeiert. „On Her Majesty’s Secret Service“ führt musikalisch in die Welt der Geheimhaltung und des Verrats durch die Jahrhunderte. Mit Stücken aus ihrem kommenden Album und a-cappella-Musik von Spionen aus den königlichen Höfen Englands der Renaissance, bis hin zu brandneuen Arrangements von James-Bond-Songs ist für jeden Musikgeschmack etwas dabei. Es erklingen Werke von Byrd, Tallis bis Bob Chilcott & Billie Eilish („no time to die“).

Gegründet wurde das Profi-Ensemble 2008 aus Anlass des 450. Krönungsjubiläums von Queen Elizabeth I. Sie musizieren regelmäßig für die Royal Family – sowohl bei privaten als auch staatlichen Empfängen. Erst zum Begräbnis von Prinz Philipp im April 2021 und zur Beisetzung von Queen Elisabeth II. im September 2022 waren Sie als Teil des St. Georges Chaple Choirs vor über 4 Mrd. Menschen im Fernsehen zu erleben.

Veranstalter
Hacker Musik Management
Eifelweg 6
01159 Dresden
017664945544
info@nullhmm-dresden.de

Tickets: Reservix.de, Tourist-Infos, Konzertkassen